Landschaft des Jahres

2016

Landschaft des Jahres 2016: Isenthaler Wildheulandschaft

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Sportliches Wirtschaften in einer vertikalen Kulturlandschaft

Die 2016 ausgezeichnete «Landschaft des Jahres» betrifft eine fast halsbrecherisch anmutende, selten gewordene Nutzungsform der Berglandwirtschaft, das Wildheuen im Urner Isenthal. Die althergebrachte Gewinnung von «Notheu» (zur Überbrückung von Kälteeinbrüchen auf den Alpen) und Winterfutter ist heute längst zu einem Kulturgut und zu einer wichtigen Pflegemassnahme artenreicher Trockenwiesen geworden.

Entsprechend sind viele Flächen im Bundesinventar oder dann im kantonalen Inventar der Trockenwiesen und -weiden (TWW) aufgeführt.

Eine schonungsvolle traditionelle Wildheutätigkeit schützt vor Vergandung und damit vor Schneerutschen und Erosionsanrissen. Das damit erhaltene besondere mosaikreiche Landschaftsrelief, das im Vierwaldstätterseegebiet einen speziellen Wechsel von Nutzfläche-Wald-Felsen-Nutzfläche-Felsen in der Vertikalen aufweist, ist überaus attraktiv und schutzwürdig.

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Wildheuer bei der Arbeit

Die Empfänger des Preises 2016

Die rund 30 Wildheuer aus dem Isenthal wurden stellvertretend für die übrigen Wildheuer in Uri und in der ganzen Schweiz als Preisträger 2016 ausgezeichnet.

Das Isenthal zeichnet sich durch eine ausgesprochen hohe Dichte von Wildheuflächen aus, die ununterbrochen bewirtschaftet wurden. Die Isenthaler Wildheuer sind in vorbildlicher Weise mit Leidenschaft und Können auf den «Wildiflächen» tätig und erhalten somit eine bedrohte Kulturlandschaft mit langer Geschichte und grossem Identifikationsgehalt. 

Die Preisverleihung sowie eine Fachtagung zum Thema fanden am 12. und 13. August 2016 in Isenthal statt.

Preisverleihung
Preisverleihung
Preisverleihung
Preisverleihung
Preisverleihung
Preisverleihung

Gründe für die Wahl

Erfahren Sie die Gründe, die für die Wahl ausschlaggebend waren.

  1. Pflege einer selten gewordenen Kulturlandschaftsform
  2. Modellhaftes Engagement des Kantons im Rahmen des Wildheuförderprogrammes und in Zusammenarbeit mit den Bauern
  3. Effizientes Beitragssystem
  4. Übernahme der Verantwortung zur Erhaltung einer europaweit bedrohten «Spezies» von Kulturlandschaft
  5. Grosse Wirkung für die Erhaltung bundesgesetzlich geschützter Trockenwiesen
  6. Paradebeispiel für einen sanften Tourismus, dessen Reiz in der Entdeckung eines spektakulären Handwerks liegt
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Wildheuflächen der Gemeinde Isenthal
Isenthal

Wildheuflächen der Gemeinde Isenthal

Isenthal verfügt über das ganze Gemeindegebiet verbreitete Wildheuflächen, die im Gegensatz zu anderen Regionen bereits vor der Lancierung des Urner Beitragssystems bewirtschaftet wurden.

Bild: Amt für Raumentwicklung UR

Isenthal
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Die Isenthaler Wildheuer steigen nicht bloss der Beiträge wegen auf Ihre Planggen. Diese sind zwar wichtig und unabdingbar, aber können letztlich niemals die Überzeugung und Freude der Menschen ersetzen, die diese schwere Arbeit verrichten.

Isenthal
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Die Schutzwürdigkeit begründet sich aus dem kleinflächigen, der Topografie sich anpassenden Mosaik von Natur- und Kulturflächen am Uri Rotstock.

Isenthal
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Die Auszeichnung umfasst die Wildheulandschaft des Isenthals, die zur Schönheit dieses von Wald, steilen Bergen und grossen Alpen geprägten bäuerlichen Tales gehört.

Isenthal

Das Wildheuen

Als Wildheuen bezeichnet man den Schnitt von ungedüngten Bergwiesen in steilsten Lagen (ab 50 % Hangneigung), in denen eine Alpung nicht mehr möglich ist. Lange Zeit waren die Bergbauern auf das Wildheuen auf den schwer zugänglichen Mähder (Planggen, Wildi) angewiesen, um genügend Winterfutter für ihr Vieh zu haben. Ursprünglich wurde das Gras auf den steilen Matten gemäht, auf Heutristen gelagert und im Winter mit Schlitten zum Heimbetrieb gebracht.

Seit lange Drahtseile produziert werden können, wird das Heu meist in Netze verpackt und in Ballen, den sogenannten «Pinggel» zu Tal geseilt. Die Wildheuer müssen nebst dem Heuen auch die genutzten Flächen regelmässig von Schutt und Geröll befreien.  All diese Arbeiten sind zumeist ohne maschinelle Hilfe und mit traditionellen Werkzeugen auszuführen und entsprechend aufwändig.

Heute kommen den Wildheuern allerdings da und dort auch Laubbläser oder der Helikopter zum Heuabtransport zur Hilfe, was die Ursprünglichkeit und die ökologische Bilanz belastet.

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Faktoren für den schleichenden Rückgang des Wildheuens
Faktoren

Faktoren für den schleichenden Rückgang des Wildheuens

Hoher von Hand auszuführender Arbeitsaufwand und Zeitknappheit

Faktoren
Faktoren

Rückgang der Betriebe oder kleinerer Personalbestand der heutigen Betriebe

Faktoren
Faktoren

Einfachere und weniger gefährliche Winterfutterbeschaffung

Faktoren
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Zeitgleiche Tätigkeit innerhalb der arbeitsintensivsten Heusaison

Faktoren

Aktuelle Situation und Herausforderungen für die Zukunft

Die Wildheunutzung erfährt heute eine breiter werdende Aufmerksamkeit. Institutionen wie der Fonds Landschaft Schweiz (FLS), aber auch Firmen und NGOs setzen sich zusammen mit den Innerschweizer Kantonen für die Erhaltung dieser Kulturlandschaft ein.

Das Urner Wildheuförderprogramm ersetzt die ungenügenden Direktzahlungen durch Biotop-Pflegebeiträge nach dem natur- und Heimatschutzgesetz. Zahlreiche aufgegebene Flächen konnten damit wieder bewirtschaftet werden, da der ausgerichtete Beitrag tatsächlich auch den nötigen Anreiz bot.

Die Erhaltung dieses Kulturgutes braucht ein breites Interesse der Bevölkerung und eine Achtung vor all denjenigen Wildheuern, die diese Tätigkeit noch ausüben. Entscheidend für die Zukunft dürfte daher auch die gemeinsame Unterstützung sein zwischen LandwirtInnen, dem Tourismus und den StädterInnen, die von der Ursprünglichkeit der Arbeit mit der Natur fasziniert sind.

Neue Techniken wie Laubbläser und Helikoptertransport für das Heu stellen jedoch Konfliktpotenziale dar, die ausdiskutiert werden müssen. Ein Zusammengehen von alt und neu ist aber notwendig, um diese doch primär auf Handarbeit beruhende Tätigkeit zu erhalten.

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Der Wildheuer
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SRF DOK

Der Wildheuer – Senkrecht über dem Urnersee

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