Landschaften im  Klimawandel

Landschaften im Klimawandel

Der Klimawandel verändert unsere Landschaften. Gleichzeitig sind sie Teil der Lösung: Sie speichern Wasser und Kohlenstoff, mindern Hitze und bieten Lebensraum für Menschen und Tiere. In ihrem Positionspapier zeigt die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP), wie Landschaften widerstandsfähiger werden und ihre Qualitäten bewahrt werden können. Im Zentrum stehen naturbasierte Lösungen, eine vorausschauende Planung und gemeinsames Handeln.

Die Schweiz im Klimawandel

Extreme Hitze, längere Trockenperioden, Starkniederschläge, weniger Schnee und eine veränderte lokale und saisonale Wasserverfügbarkeit machen die Folgen des Klimawandels in der Schweiz für alle sicht- und spürbar. Landschaften verändern sich ständig; der vom Menschen verursachte Klimawandel ist heute ein wesentlicher Treiber dieser Veränderungen. Er beeinflusst Wasserhaushalt, Vegetation, Böden und Landschaftsbild – und damit auch die Art, wie Landschaften genutzt werden können und welche Leistungen sie für Mensch und Natur erbringen. 

Die Schweizer Klimaszenarien «Klima CH2025» zeigen die klimatischen Bedingungen in der Schweiz, wie sie bei einer globalen Erwärmung um 1.5, 2 oder 3 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu erwarten sind. Die 1.5-Grad-Welt beschreibt den heutigen Zustand, die 2-Grad-Welt dient als optimistische und die 3-Grad-Welt als realistische Grundlage für mittel- und langfristige Planungen. Die Extremereignisse der letzten Jahre vermitteln bereits eine konkrete Vorstellung davon, worauf wir uns vorbereiten müssen. 

2026

2025

Landschaftsleistungen als Klimaschutz

Unsere Landschaften sind davon stark betroffen, können aber auch selbst zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel beitragen – etwa indem sie Kohlenstoff und Wasser speichern, Hitze mindern oder Naturgefahren dämpfen. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) setzt sich dafür ein, den Landschaftswandel bewusst zu gestalten und Landschaftsqualitäten zu sichern. Gefragt sind Anpassungsstrategien, die Landschaften widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels machen. Das erfordert ein gemeinschaftliches Handeln. Jetzt!

Klimaanpassung darf nicht zur Symptombekämpfung verkommen. Vielmehr sind Massnahmen abgestimmt auf die jeweiligen räumlichen Verhältnisse so zu entwickeln, dass sie unabhängig von den tatsächlichen Klimaentwicklungen langfristig wirksam bleiben. Sie dürfen dem Klimaschutz aber auch nicht entgegenwirken oder neue Probleme verursachen. Eine Win-Win-Situation wird dann erreicht, wenn Klimaanpassungsmassnahmen gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten: Bäume spenden Schatten, nehmen Wasser auf und kühlen durch Verdunstung (Klimaanpassung) – sie binden gleichzeitig auch CO2 und senken den Energiebedarf für Klimaanlagen (Klimaschutz). Wenn Moore und Auen renaturiert werden dienen sie als natürlicher Hochwasserschutz und Wasserspeicher (Klimaanpassung) und sind gleichzeitig effiziente Kohlenstoffsenken (Klimaschutz). 

Umdenken und Handeln

Entscheidend ist deshalb, nicht nur in einzelnen Massnahmen, sondern in Landschaften als Ganzem zu denken. Die Grundlagen bilden dabei Massnahmen, welche die natürlichen Prozesse nutzen, also naturbasiert sind, und sich an den vorhandenen Landschaftsqualitäten orientierten. Entsprechende Massnahmen wirken sich meist auch positiv auf Biodiversität, Gesundheit und Lebensqualität aus. Traditionelle Kulturlandschaften beispielsweise können aufgrund ihrer Strukturvielfalt besonders klimaresilient sein, etwa Kulturlandschaften mit Mischkulturen und Hecken, Waldweiden mit beschatteten Flächen oder Landschaften mit lokaler Wasserspeicherung (z.B. traditionelle Wiesenwässerungssysteme). Der Erhalt und die angepasste Weiterentwicklung solcher für die Schweiz charakteristischer Kulturlandschaften leisten deshalb einen Beitrag zur Klimaanpassung. 

Klimakrise und Biodiversitätskrise erfordern einen breiten Dialog und einen intensiven Austausch zwischen Wissenschaft, Politik, Verwaltung und der Gesellschaft. Wir setzen uns dafür ein, dass diese Debatte geführt wird. Sektorale oder räumlich isolierte Ansätze greifen zu kurz. Es braucht ein Verständnis für die grösseren Zusammenhänge und eine Aushandlung, wie wir den Ressourcenverbrauch senken, wie wir künftig wohnen und Landschaften nutzen wollen, mit welchen Kosten die Anpassung verbunden ist und wie wir Heimat bewahren und die Identifikation mit sich verändernden Landschaften stärken. Ein solcher integraler Landschaftsansatz macht Wechselwirkungen und Synergien sichtbar und hilft, Zielkonflikte zu benennen und zu bearbeiten. [3] Nur ein vorausschauender, integraler und an den Landschaftsqualitäten orientierter Umgang mit dem Klimawandel kann die Leistungen der Landschaften für Mensch und Natur langfristig sichern.

Forderungen

Die SL-FP stellt folgende Forderungen auf und präsentiert Beispiele, wie diese bereits umgesetzt werden.

Feuchtgebiete stärken

Feuchtgebiete stärken

Feuchtgebiete leisten als Wasser- und Kohlenstoffspeicher einen wichtigen Beitrag zu Klimaanpassung und Klimaschutz, diese sollen deshalb erhalten, revitalisiert und regeneriert werden.

Beispiel: Moorlandschaft La Gruère (JU)

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In Landschaften denken

In Landschaften denken

Landschaften und deren Qualitäten müssen als zusammenhängende Systeme verstanden und integral geplant werden. Dabei ist die Vernetzung zwischen Sachbereichen, politischen Ebenen und administrativen Grenzen zentral.

Beispiel: Vision 3-Seen-Land 2050 (BE, FR, VD, NE, SO)

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Neue Landschaften verhandeln

Neue Landschaften verhandeln

Durch den Klimawandel neu zugängliche oder nutzbare Landschaften erfordern einen Dialog zwischen Schutz und Nutzung, um Naturwerte zu bewahren und nachhaltige Lösungen zu schaffen.

Beispiel: Grimsel-Dialog (BE)

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Infrastrukturen landschaftsschonend realisieren

Infrastrukturen landschaftsschonend realisieren

Neue Infrastrukturen sollen in Landschaft und Ortsbild eingebettet werden und langfristig sowie naturorientiert geplant werden.

Beispiel: Speichersee Ruestal: Multifunktionaler Wasserspeicher (SG)

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Schwammlandschaften gestalten

Schwammlandschaften gestalten

Landschaften sollen wieder mehr Wasser aufnehmen, speichern und zeitlich verzögert abgeben können und die Planung dazu sektorübergreifend verankert werden.

Beispiel: Projekt Wasser.Kultur.Landschaft (SH)

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Grüne Infrastrukturen stärken

Grüne Infrastrukturen stärken

Bäume und Hecken sind zu erhalten und gezielt neu zu pflanzen, um den Boden zu schützen, Wasser zu speichern, Schatten zu spenden und Biodiversität sowie Landschaftsvielfalt zu fördern.

Beispiel: Alleenlandschaft Val-de-Ruz NE

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Blaue Infrastrukturen stärken

Blaue Infrastrukturen stärken

Gewässer sind zu revitalisieren, um Wasserspeicherung, Hochwasserschutz, Biodiversität, Grundwasserneubildung und Landschaftsqualitäten zu fördern.

Beispiel: Renaturierung der Aire (GE)

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Landwirtschaftliche Bewirtschaftung anpassen

Landwirtschaftliche Bewirtschaftung anpassen

Es sollen neue standortangepasste und klimaresiliente Formen der Bewirtschaftung entwickelt und im Austausch mit landwirtschaftlicher Praxis, Forschung und Planung zukünftige sinnvolle Nutzungen erarbeitet werden.

Beispiel: «Slow Water» (BE, BS, LU)

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Siedlungs- und Verkehrsflächen aufwerten

Siedlungs- und Verkehrsflächen aufwerten

Klimaanpassung soll auch im Siedlungsgebiet stattfinden - dies beispielsweise durch Entsiegelung, der Förderung blauer und grüner Infrastrukturen oder der Begrünung des öffentlichem Raums.

Beispiel: Espace Mont-Blanc, Martigny-Bourg VS

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